Asylsuchende laut BKA nicht krimineller als Einheimische – Reality Check

Da kapituliert selbst Pinoccio

Da kapituliert selbst Pinoccio

Wenige Tage vor dem jüngsten Pariser Massaker ist Innenminister de Mazière mit einem Gutachten des Bundeskriminalamts an die Öffentlichkeit getreten, dass staunen lässt. Steht doch darin, dass Asylsuchende -im öffentlich-rechtlichen Jargon ausschließlich Flüchtlinge genannt- nicht mehr Straftaten begehen, als die Einheimischen.

Der Reality Check könnte schon mit der Feststellung enden, dass nicht mal mehr das Innenministerium weiß, wie viele Flüchtlinge sich mittlerweile überhaupt im Land aufhalten. Da damit eine von vier unabdingbaren Vergleichsgrößen fehlt, ist es gar nicht möglich, überhaupt eine solche Feststellung zu treffen.

Das soll an dieser Stelle nicht genügen, denn das BKA veröffentlicht jährlich auch noch andere Zahlen (Tabelle 61 – nichtdeutsche Tatverdächtige). die eine deutlich andere Sprache sprechen. Also hilft ein Blick auf die Zahlen des Vorjahres, in dem die da noch halbwegs gesichert waren. 2014 haben ca. 200.000 Personen Asyl beantragt, hinzu kamen ca. 600.000 Personen, die eigentlich abgeschoben werden sollten. Ob das tatsächlich alles Asylsuchende waren, oder reguläre Ausländer und „Karteileichen“ ist allerdings unbekannt. Deshalb werden zwei Szenarien untersucht.

Szenario A: Alle 600.000 Personen der nicht abgeschobenen Personen sind Asylsuchende (+200.000 Asylsuchende 2014); die BRD hat 81 Mio. Einwohner

Höhere Kriminalität bei Asylsuchenden

Szenario B: Nur 400.000 Personen der nicht abgeschobenen Personen sind Asylsuchende (+200.000 Asylsuchende 2014); die BRD hat 81 Mio. Einwohner

Höhere Kriminalität durch Asylsuchende

Es gibt keinen einzigen Grund anzunehmen, dass sich die Verhältnisse 2015 geändert haben. Wie kommt das BKA dazu, so ein Gutachten zu erstellen? Nun ja, das BKA ist als Bundesbehörde dem Innenministerium unterstellt. Tatsächlich hat de Maizière hat das Gutachten ausdrücklich mit der Prämisse in Auftrag gegeben, um Gerüchten über den Anstieg von Straftaten den Boden zu entziehen und belastbare Informationen zu erhalten.

Es kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass es sich beim Gutachten um etwas handelt, dass Blogger Schdrahlemann zu Recht als Realsatire bezeichnet hat. Es hat denn auch keine Woche gedauert, bis einem Kriminalbeamten offenbar der Kragen geplatzt ist und der sich verpflichtet fühlte, der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung anonym mitzuteilen, wie massiv bei den Statistiken getrickst und gefälscht wird.

Das Dossier des BKA ist öffentlich übrigens nicht verfügbar, ein Vorgehen, das für sich schon Fragen aufwirft. Vielleicht würde es de Maizière aber auch so ausdrücken:
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Bild: Flickr.com/Jonas Bengtsson/CC BY-SA 2.0
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