Rührstücke im Öffentlich-Rechtlichen – Kommentar

claus-kleber_heute-journalBeim gestrigen Heute-Journal hatte ZDF-Moderator Klaus Kleber mit der eigenen Fassung zu ringen, als er berichtete, wie ein Busfahrer asylsuchende Fahrgäste willkommen hieß und ihnen einen schönen Tag wünschte.

Die Meldung und die bizarre Reaktion von Klaus Kleber zeigt nicht nur, wie seicht das Niveau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mittlerweile geworden ist. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist schon lange kein Erklärer objektiver Sachverhalte mehr. Vielmehr ist er zum ideologischen Weltbild-Vermittler geworden.

Beispiele:
Im Mittelmeer anlandende Asylsuchende werden seit Wochen gar nicht mehr gezeigt. Vor wenigen Monaten waren nur noch Nahaufnahmen (so genannte Close-Ups) von Frauen und Kindern zu sehen. Noch vor einem Jahr war die Wirklichkeit dem Zuschauer offenbar noch zuzumuten. Da wurden noch Seelenverkäufer gezeigt, die randvoll waren mit jungen Männern. Die nackte Wahrheit wäre: 2014 waren 2/3 aller Antragsteller Männer, 70,5% waren jünger als 30 Jahre. So steht es im Bericht des BAMF 2014 (Seite 22).

Je offensichtlicher das Scheitern und die Konzeptionslosigkeit der Politik beim Thema Asyl wird, desto mehr fühlen sich willfährige Medienmacher zum Übertünchen der katastrophalen Wirklichkeit berufen.
Und so wird eine „Meldung“ in die wichtigste Nachrichtensendung des deutschen Fernsehens gehievt, für die selbst eine Regionalzeitung nur Platz fände, wenn sich die Seite sonst nicht füllen ließe.  Die sicherlich lieb gemeinte Ansage eines Linienbusfahrers wird auf diese Weise plötzlich bedeutungsschwanger. Erstaunlich häufig finden Asylsuchende momentan auch hohe Geldbeträge. (1; 2, 3, 4)

Sofort greifen andere Mainstream-Medien die zum richtigen Thema gezeigte Gefühlsregung auf und verstärken sie. Klaus Kleber hat eine wichtige Nachricht für uns, weiß die Zeit.  In der Welt will er „keinen Wirbel um die Sachen machen“, kann dann aber doch nicht widerstehen und erklärt: „Ich würde mich schon sehr freuen, wenn die kleine Meldung dazu hilft, dass ein paar Menschen bei alltäglichen Begegnungen ähnlich handeln wie dieser tolle Busfahrer Sven Latteyer.“

Kleber hat seine Rührung nicht gespielt. Das zeigt wie weit er sich vom neutralen Journalisten entfernt hat und zur Partei geworden ist, die direkt in eine öffentliche Diskussion eingreift – oder besser: diese verhindert. Wie weit er sich vom Leitsatz eines Hajo Friedrich entfernt hat – auch der mal Moderator einer großen Nachrichtensendung, aber das ist lange her: Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht mit einer Sache gemein macht, auch nicht mit einer guten. Dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört. So wird er zitiert. Tatsächlich gesagt hat er aber:

Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, dass die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.

So ist es Herr Kleber, und weil Sie und andere ihrer Zunft genauso nicht handeln, sinkt das Vertrauen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: